Krefeld, Poelzig-Haus (1929), Treppenhaus

Zustand 2016
 

Poelzig-Haus

1929 beauftragte der Textilfabrikant Fritz Steinert
(Fa. Storck & Co) den Berliner Architekten Hans Poelzig mit dem Bau eines Hauses für seine Familie. Es ist das einzige Einfamilienhaus Poelzigs für einen privaten Bauherrn.

Das Haus beherbergte eine erlesene Kunstsammlung mit Werken von Emil Nolde, Heinrich Campendonk, Otto Müller, Heinrich Nauen, Lionel Feininger, August Macke, Oskar Schlemmer  und vor allem Ewald Mataré. Während der NS-Zeit trafen sich die Steinerts mit ande-
ren kritischen Geistern, u.a. den Ehepaaren Mataré, Mitscherlich und Nauen reihum bei Kerzenschein, um ungestört über Kunst und die politische Lage diskutieren zu können. Sie nannten sich „Kerzianer“.

Die Steinerts verhalfen ihren Künstlerfreunden, die als „entartet“ verfemt waren und die ihre Professorenstellen an der Düsseldorfer Kunstakademie aufgeben muss-
ten, zu kleineren Aufträgen. Von Mataré stammen die Seidenblume aus Terrakotta neben dem Eingang (dem Signet der Firma Storck) und ein Adler aus Basalt, beide
1936, der auf der untersten Mauerstufe der Einfahrt aufgestellt war und der sich seit 1975 im Innenhof des Mataré-Gymnasiums in Meerbusch-Büderich befindet.

 

Schon früh fanden hier auch Kunstausstellungen statt, etwa 1947 der erste Deutsche Werkbundtag nach dem Krieg und 1950 eine Ausstellung von Mataré-Schülern mit dem damals 29-jährigen Joseph Beuys.

1961 wurde das Haus verkauft und durch eine zweite Garage und einen Anbau an der Südseite erweitert. Bei der Form des Anbaus, bei der das Dach einen Gegen-
schwung bekam, orientierte man sich an einem früher-
en Bau von Hans Poelzig in Breslau, dem Musterhaus auf der Ausstellung für Handwerk und Kunstgewerbe 1904. Nach einem erneuten Verkauf 1997 wäre das Haus beinahe abgerissen worden. Proteste von Nachbarn führten aber dazu, dass es im Eilverfahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Das Grundstück wurde aber aufgeteilt und der Garten zerstört.

Seit 2006 ist das Poelzig-Haus  für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Treppenhaus, das sich weitgehend im Originalzustand befindet, wird die Tradition des Hauses mit  Fotoausstellungen fortgeführt. Bitte vereinbaren Sie telefonisch einen Besichtigungstermin. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Florian Monheim und Barbara Opitz
Tel.: 02151-5656796
Mobil: 0171-5434281

info@bildarchiv-monheim.de

 

Treppenhaus

Zustand 1931



Zustand 2013

 



Szene mit Treppe aus den Film "Der Golem" von Paul Wegener 1920, Filmbauten von Hans Poelzig



Hans Poelzig: Musterhaus auf der Ausstellung für Handwerk und Kunstgewerbe, Breslau 1904

 

   
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